WDSF GrandSlam Latein Stuttgart 2016

Das vierte Bein der GrandSlam – Serie hat nach zwei Tagen nun sein spannendes Ende gefunden. Von den 302 genannten Paaren (Das sind mehr Teilnehmer als bei allen GrandSlams Latein dieses Jahres zusammen!) hat sich eines an die Spitze des riesigen Events getanzt und das war nicht der Sieger des Turniers.

(Bilder zu diesem Bewerb aus all seinen Runden findet ihr auf unserer Facebook-Seite.)

Am Abend des GrandSlams war der Beethoven-Saal nun zum ersten Mal in der Woche komplett gefüllt. Dies war jedoch sehr untypisch für die GOC, dass die Halle an den anderen Tagen nicht ausverkauft war. Etwa 400 Paare weniger in der ganzen Woche und auch ein geringeres Publikum, bringen so manchen Organisator, Aussteller, etc. zum Nachdenken wie das ganze nächstes Jahr aussehen soll, doch die Aktiven betrifft das ganze drumherum nicht. Die startenden Athleten waren einzig und allein darauf konzentriert ihre beste Leistung im Zuge dieses GrandSlams zu demonstrieren. Doch nicht nur Lateiner „matchten“ sich im Rampenlicht der Hallen, sondern auch die Boogie Woogie-Sektion kämpfte um den Titel des Europameisters bei den Junioren. Zu beginn der Abendveranstalltung wurde die Fläche mit den Anhängern, Fans und Zuschauern der Europameisterschaft gefüllt. Ja, die Fläche wurde mit Zuschauern befüllt und in der Mitte blieb ausreichend Platz für das Turnier. Ausgetragen wurde nur noch das Finale für das sich 6 aus 18 Paare qualifizierten. Um es kurzzufassen: Ein Boogie Woogie-Turnier gleich eher eine riesigen Party. Alle machen mit, die Wertungsrichter sitzen quasi im Publikum, und sobald jedes Paar an der Reihe war, wird bis zum Verkünden des Ergebnisses Musik gespielt und gemischt untereinander getanzt. Alle Partner mit anderen Teilnehmern, Trainern oder Zuschauern und auf einmal stehen 6 Pokemons auf der Fläche. Man bekommt nur mit dass sich die schwedischen Fans als Pikachus verkleidet haben und die Fläche zum Tanzen stürmten. Dann wurde die Musik wieder abgedreht und das Ergebnis verkündet. Den Titel holte sich das Paar aus Deutschland Preuhs Elian / Sommerkamp Theresa. Gleich nach der Siegerehrung wurden die Teilnehmer, Fans, Wertungsrichter, etc. auch gleich wieder gebeten die Fläche zu  verlassen, damit der Hauptbewerb fortgesetzt werden konnte. Etwas schade für die Boogie Woogie Teilnehmer, da es sich ja doch um eine EM handelte und  es dem Titel nicht wirklich entspricht gleich wieder von der Fläche gejagt zu werden, doch so war es halt und sie werden für die Fortführung der Party schon noch einen besseren Platz gefunden haben. Alles in allem einfach eine ganz andere Tanzwelt. Tanzen, aber halt anders. Mit viel mehr Lockerheit, Spaß, Gemeinschaft und weniger Regeln. Jede (Tanz-)Welt hat seine vor und Nachteile und ich komme nun zu unserer:

Wie schon im letzten Artikel geschildert, wurde die erste Qualifikation für das weitere Turnier bereits am Vortag ausgetragen. Von den 302 genannten Paaren mussten 224 dies Vorausscheidung bestreiten. Damit das ganze etwas übersichtlicher blieb waren die Athleten in zwei Gruppen aufgeteilt. Es war ein bisschen wie auf einem Schlachtfeld, ein paar suveräne Kriegsherren, die ganz klar weiterkommen, eine ums überleben kämpfende Meute die alles aus sich rausholte um aufzufallen und ein Teil der einfach mal dabei sein mochte. Aus diesem Kampf gingen 136 Teams hervor, welche sich am darauffolgenden Tag erneut den Richtern stellen durften.

Runde 2 Die ersten Sternchen-Paare teilten sich mit den Aufsteigern aus der Vorrunde die Fläche woraus sich ein Starterfeld von 155 Paaren für die zweite Runde ergab. Jeder der im Tanzgeschehen involviert ist, weiß, dass das sehr goße Teilnehmerzahlen sind für ein einzelnes Turnier!
Im Vergleich zur Vorrunde wird das Tanzen der Paare nun deutlich klarer und umso schwieriger und anspruchvoller auch das Weiterkommen in die nächste Runde. Von 9:00 bis etwa 11:40 dauerte die Ausmusterung, danach gab es dann ersmals eine Pause bis etwa 15:10.

Runde 3 132 Paare inkl. nun aller Sternchenpaare. Von hier begann nun auch das, wegen dem die meisten Zuschauer wohl hier sind. Tanzen auf höchstem Niveau. Wobei alle Paare zeigen bei weitem noch nicht alles was ihre Körper zulassen. Goffredo mit Anna war quasi noch gar nicht sichtbar und auch wenn, war seine Darbietung sehr unspektakulär. Ganz anders hingegen die Konkurrenz aus Russland. Svetlana und Armen waren von ihrer ersten Samba weg so lebendig und mit einer tollen Ausstrahlung am Parkett, 100-und-1 im Vergleich zum GrandSlam in Hongkong. Ebenfalls sehr dominant und auffällig gaben sich Giaccomo und Roberta. Offenbar beflügelt vom EM-Ergebnis bringen sie die Fläche quasi zum Glühen. Der kleine Italiener zeigt in jedem Tanz sein volles Bodymovement und Roberta topt das ganz noch mit ihrem (man verzeihe mir die Wortwahl) „geilen“ Ausdruck!

Runde 4 Die 96er. Im Grunde eine Teilnehmerzahl eines ordentlichen World Open, nur wenn dies so wäre, dann wäre das wohl das World Open mir der höchsten Leistungsdichte. Nun geht die Post ab auf der Fläche. Alle wollen unter die 48. Die Halle ist nun auch gestopft voll. Kein Platz scheint leer zu sein. Paare von anderen Turnieren, bzw. Ausgeschiedene versuchen in den wenigen zugelassenen Zonen in der Halle einen Stehplatz zu ergattern um das Geschehen mitzuverfolgen. So ergibt sich auch eine bombastische Stimmung in der Halle. Ein Traum für jeden Tänzer. Am spürbarsten werden die Jubelrufe, sobald die deutschen Paare und Armen und Svetlana die Fläche betreten. Tsaturyan betrat mit seiner Partnerin immer weit als Letzter die Fläche in seinem Heat. Während die anderen Paare schon ihren Platz eingenommen haben, spazierte er seelenruhig unter Applaus auf die Fläche und blühte mit der gewonnen Aufmerksamkeit richtig auf! Goffredo/Matus nach wie vor nicht mit Weltmeisterleistung unterwegs.

Runde 5 Im Achtel-Finale mit 48 Paaren gab es dann nur noch 8 welche das Turnier von der ersten Runde an bestritten haben. Zu nennen sind dabei das deutsche Paar Razvan Dumitrescu / Jacqueline Joos und das österreichische Hunor Sebesi / Jaroslava Huber. Für beide eine wirkliche sehr gute Leistung. Alle anderen Paare haben mindestens ein Sternchen und so tanzen sie auch. Beim Beobachten der potentiellen Finalpaare sieht man nun auch, dass sie (zumindest zeitweise) einmal bewusst Energie ablassen und zeigen, warum sie wieder im Finale landen sollten. Und jene welche zwar nicht im Finale zu sehen sein werden pushen was geht. Um auf zwei Paare einzugehen: Paul Moldovan und Cristina Tatar hatten ab der 4. Runde eine starke Leistung geboten und so wirken sie im Feld als klare Favouriten für die nächsten Runden. Guillem Pascual und Rosa Carne zogen heute des öfteren meine Blicke auf sich, nachdem Sie jede Runde ihre Kleider wechselten. Sehr untypisch für die zwei, nachdem sie ja sond immer ganz in schwarz auf der Fläche steht. Diesmal gab es rot, blau und schwarz.

6. Runde Die Top 26. Die Paare pro Heat werden nun halbiert, da sich auch das Wertungssystem ändert. Getanzt wurde die Runde in 4 Heats, sodass den Paaren mehr Platz geboten wird für ihre tanzsportlichen Leistungen und natürlich auch, dass die Wertungsrichter alle Paare mit Punkten beurteilen können. Immer noch gab es Paare welche seit der ersten Runde am Start waren. Zwei Russiche: Kirill Kolpashchikov / Julia Remizova und Artem Efanin / Anna Dergunova. Bewusst ist mir keines der beiden Paare noch in Erinnerung geblieben. Meine Aufmerksamkeit konzentrierte sich schon auf die Top 12, welche sich, so finde ich, ganz klar ergaben. Neben den üblichen Verdächtigen von der EM zeigten auch noch Maxim Stepanov / Ksenya Rybina, Timur Yusupov / Sofia Kharina, Guillem Pascual / Rosa Carne, Moldovan Paul Adrian / Tatar Cristina Maria, Silvestri Andrea / Varadi Martina und Anton Aldaev / Natalia Polukhina, dass sie zu den besten 12 gehören!

7. Runde Semi-Finale. Neben der Tatsache, dass die Paare das Publikum immer mehr zum Anfeuern anheitzen und umgekehrt, das Publikum die Paare zu immer expressionistischerem Tanzen beflügeln, zeigen sich zwei Paare besonders erpicht darauf neben den „Standard-Paaren“ ins Finale einzuziehen. Giaccomo mit Roberta und Andrea mit Martina geben sich ganz stark. Andrea/Martina boten eine wirklich außergewöhnliche Performance. Offenbar tut ihnen eine derartige Zuschauerbeteiligung mehr als nur gut! Und so kam es auch, dass sie sich zu den Finalpaaren gesellten.

Das Finale

Gabrielle Goffredo / Anna Matus: Im Finale mit voller Leistung, auch wenn es merkbar ist, dass sie sich hier in Deutschland nicht sehr wohl fühlen. Nach dem ersten Solo-Tanz nur Paltz 2. Die Reaktion war aus dem Gesicht der beiden abzulesen: „War eh klar, hier in der Höhle des Löwen…“ Die Entäuschung über den verlorenen ersten Tanz war aber ganz klar ersichtlich und so starteten die beiden den Samba mit voller Energie um sich im nächsten Tanz wieder auf Platz 1 zu heben. Das taten sie dann in allen restlichen Tänzen.

Armen Tsaturyan / Sevetlana Gudyno: Die zwei waren ausgesprochen gut, das ganze Turnier lang eine tolle Darbietung was vom Publikum sehr honoriert wurde. Nicht aber von den Wertungsrichtern. Schlussendlich wurde es nur Platz 4 und als er merkte, einmal nicht am Stockerl zu stehen, kehrte er am Ende des Jives bei der Punktevergabe der Kamera nur noch den Rücken zu und widmete sich lieber dem Publikum. Es sah nach Show aus, doch die Entäuschung war dem Paar anzusehen, hatte er doch letztes Jahr ganz oben am Treppchen gestanden.

Marius-Andrei Balan / Khrystyna Moshenska: Ich sag nur Top-Performance. Die zwei genießen den Heimvorteil und gehen voll auf das Publikum ein. Sie pushen jede Aktion bis zum Limit und schenken sich nichts. Ein klar verdienter zweiter Platz. Auf Platz 1 fehlt noch ein kleines Stück, aber seit dem Balan nun immer dominatner wird und er neben seiner „Wunder-Dame“ aufzufallen beginnt rücken sie dem Team aus Moldavien immer weiter auf.

Charles-Guillaume Schmitt / Elena Salikhova: Für die beiden hab ich leider keine besonderen Worte. Es war nichts besonders. Wie immer natürlich eine tolle Show, hohe Qualität und sie wird immer mehr eine kecke Dame. Somit Platz 5 als All-time-Finalists.

Andrea Silvestri / Varadi Martina: Verdient im Finale. Wie schon erwähnt war es im Semi zu sehen, dass entweder die beiden oder Giaccomo mit Roberta im Finale landen werden. Die Wertungsrichter entschieden für die Ungarn. Die Leistung im Finale war gut anzusehen, aber im Vergleich zu den Top 5 fehlt doch noch etwas. Ihr bisher zweites GrandSlam-Finale. Letztes Jahr war das erste in Moskau. Wir können gespannt sein wie es dieses Jahr im Oktober in der russischen Hauptstadt aussehen wird.

Und so bleibt nun noch ein Paar, Timur Imametdinov – Nina Bezzubova: „DANCE TO YOUR MAXIMUM!“ Die beste Darbietung des ganzen Abendes, der ganzen Woche, vielleicht des ganzen bisherigen Jahres! ChaCha und Samba waren schon sehr mitreissend im Finale, doch nach der Solo-Rumba gab es Standing Ovations der ganzen Zuschauermenge für die zwei. Innerhalb von ein paar Sekunden stand die ganze Halle auf den Beinen und applaudierte! Noch nie habe ich Timur und Nina als so lebendig, stark und anziehend empfunden wie an diesem Abend, in diesem Moment. Ihr Tanzen erfüllte einfach die ganze Halle, jeden einzelnen! Alles Schöne war vereint in diesem einen Moment! Eine Besonderheit, die man wahrscheinlich nur einmal erlebt, zumindest fühlte es sich so an! Der Beifall der Menge ließ das deutsche Paar natürlich für die restlichen Tänze ihre Energie nocheinmal zu steigern. Im Paso Doble war die Aufmerksamkeit immer noch bei Timur und Nina und wieder, Standing Ovations, wie dann auch im Jive! Mit deren Tagesbestleistung kletterten sie auf Platz 3 der Wertung und krönten sich nicht nur mit der Bronzenen sondern auch mit einer Erinnerung, die sie womöglich nie mehr vergessen werden!

GOC2016_GSL_7th_water_00088

 

 

 

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