WDSF GrandSlam Finale Standard – Shanghai 2016

Beim zweiten GrandSlam Finale an diesem Wochenende sollte es spannend werden wer sich den ersten Platz holt. So klar wie in Latein am Vortag sollte es in der Standarddiziplin nicht werden. Simone Segatori und Annette Sudol standen in direkter Konkurrenz mit Dimitry Zharkov und Olga Kulikova. Die beiden können jeweils Siege bei GrandSlams und Weltmeisterschaften vorweisen. An diesem Abend ging es nun in einem Kopf-an-Kopf-Rennen um den Sieg der GrandSlam-Serie 2016.

Foto (c) Thomas Lackner
Simone Segatori / Annette Sudol

Die Vorrunden gingen flott und sehr unspektakulär vorbei. Leider verpasste das österreichische Paar Vasily Kirin und Ekaterina Prozorova den Aufstieg in das Semi-Finale obwohl sie dort sicherlich hingehört hätten.

Im Finale ging es dann rund. Der erste Solotanz wurde spektakulär von den Deutschen Simone und Annette eröffnet. Sie hatte nicht einfach nur ein funkelndes Strasskleid, sondern ein mit LED besetztes, bezauberndes Turnieroutfit. Wahrlich ein Unikat, was zuvor noch nicht gesehen wurde. Mit dem besonders auffallenden Faktor der eingenähten Lichterkette setzten sie quasi ein Understatement, dass sie sich aus der Masse hervorheben und klar die Ersten sein wollen.

Foto (c) Thomas Lackner
Siegesfreude von Simone Segatori / Annette Sudol

Die beiden waren nicht nur so angezogen, sondern tanzten auch so! Sehr selbstsicher, ruhig und überlegen ab dem ersten Tanz im Finale. In der ersten und zweiten Runde war dies nicht ganz so der Fall. Die zwei schwammen mit den anderen mit und hatte noch nicht ganz das Bewusstsein, sich in Szene setzen zu müssen. Mit dem Einzug im Finale kam dann die Energie und möglicherweise war das Lichterkleid auch ein Auslöser für den Motivationsschub, weil entweder du gehst mit so einem Hingucker auf die Fläche und zeigst wo die Musik spielt, oder du lässt es bleiben! Mit diesem Outfit ist ihnen zumindest ein Licht aufgegangen!

Weniger siegessicher präsentierten sich die Russen Dimitry Zharkov und Olga Kulikova Schon an den Tagen vor dem GrandSlam waren sie nie zu sehen.

Foto (c) Thomas Lackner
Dimitry Zharkov / Olga Kulikova

Sie mieden womöglich den Kontakt zu den gegnerischen Paaren und wollten sich in Ruhe auf dieses sehr wichtige Turnier vorbereiten. Hier stand einiges auf dem Spiel. Die Macht der Konkurrenz gegenüber, wie auch das Selbstbewusstsein als GrandSlam-Serien-Sieger und natürlich ein ordentliches Preisgeld! All diese Gedanken werden wohl durch die Köpfe der Russen gegangen sein und diese womöglich zu sehr beschäftigt haben. Den auf der Fläche wirkten Dimitry und Olga doch sehr blockiert und konzentriert. Die Freiheit und das Gefühl für die Musik, den Raum und die Atmosphäre war an diesem Abend leider nur ein Bruchteil von dem was so auf anderen Turnieren bereits geboten haben. Die zwei waren einfach nicht zu 100% da und das war sehr schade. Ab dem Langsamen Walzer war der Sieg von Annette und Simone klar und so war es schlussendlich auch.

Foto (c) Thomas Lackner
Dimitry Zharkov sprichwörtlich am Boden…

Die Deutschen waren eindeutig in einer besseren Verfassung. Brachten mehr Energie aufs Parkett, vom ersten bis zum letzten Tanz, und dominierten über das ganze Finale hinweg kleidertechnisch, als auch tänzerisch. Die Niederlage von Team Zharkov-Kulikova war an diesem Abend unausweichlich und passend dazu ging Dimitry im letzten Quickstep zu Boden. Auf einer der ersten Breiten versuchte er noch einmal Segatori-Sudol näherzukommen und verlor bei ein paar hochdynamischen Spins den Halt unter den Beinen und landete innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde auf dem Boden. Ich möchte nicht wissen was einem in diesen Millisekunden durch den Kopf geht, aber der Gedanke einfach liegenzubleiben war ihm ins Gesicht geschrieben. Tat er nat ürlich nicht, sondern stand im nächsten Augenblick auch schon wieder auf den Beinen, beendete seinen flotten Quickstep und legte sich als Zugabe für das Publikum noch einmal aufs Parkett. Er war eindeutig geschlagen. Es war nicht sein Tag und ich denke es war den beiden klar, dass es mit der richtigen Form auch anders ausgehen hätte können. Die Trauer über den zweiten Platz hat bei vielen anderen Paar schon schlimmer ausgesehen. Ich denke die zwei wissen, dass die Luft ganz oben sehr dünn ist und beim nächsten Turnier wieder alles anders sein kann!

Foto (c) Thomas Lackner
Vaidotas Lacitis / Veronika Golodneva

Neben den Leistungen der Paare spielte sich jedoch noch wesentlich mehr in der letzten Runde des Abends ab. Das größte Highlight war der Ausfall der Videoleinwand auf der Tribüne. Für den Rahmen eines GrandSlams ist dies ein Wahnsinn! Wie sollen denn die Paare ihre Wertungen erfahren? Das Programm dieser Turniere lebt von den Tänzen genauso wie von den Emotionen der Paare bei den Punktepräsentationen. Eine Möglichkeit wäre gewesen diese vorzulesen, dachte sich zumindest Marco Sietas, doch als er die Punkte der Erstplatzierten nannte ist ihm zum Glück noch eingefallen, dass er den Namen des Paares nicht nennen durfte. Viele werden es wohl noch nie bewusst beobachtet haben, aber die Wertungsrichter sitzen immer mit dem Rü

Foto (c) Thomas Lackner
Evgeny Moshenin / Dana Spitsyna

cken zur Leinwand auf der die Punkte angezeigt werden, weil sie nicht erfahren dürfen, welches Paar wie viele Punkte und welche Platzierung erhält! Aus diesem Grund las Marco Sietas folglich nur die Punkte der Reihe nach vor ohne Name und Nummer, was eigentlich nichts brachte. Aber es verschaffte Zeit zur Behebung des Problems, den Paaren ihre Wertungen anzuzeigen. Die Videoleinwand wurde auch nach einigen Minuten aufgegeben und ein Plan B fand Umsetzung in der Realität. Anstatt in groß über mehrere Meter, wurden die Ergebnisse für den letzten Solotanz den Paaren auf einem etwa 24“ großen Computerbildschirm gezeigt, welchen sie quasi vor die Nase gehalten bekamen. Das Publikum im Saal hatte natürlich nichts von der Lösung, aber die Video-Aufzeichnung war zumindest gerettet. Hut ab vor der Kreativität zur Problemlösung an das WDSF-Regieteam!

Das war es nun auch schon von der GrandSlam-Serie für dieses Jahr. Ich hoffe die Begleitung durch all diese Highlights des WDSF-Tanzsports hat euch gefallen und freue mich schon auf die zukünftigen Ereignisse, die TanzTrend für euch wieder unter die Lupe nimmt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.